E.S.I.L. Schule in Mosambik

2017 ist Pater Heribert Müller im Hochland Mosambiks angekommen, um die Ignatius-von-Loyola-Sekundarschule zu leiten. Der Nordwesten des Landes leidet noch immer unter den Folgen des Bürgerkriegs und benötigt dringend gut ausgebildete junge Leute.

Blick auf die Schule

„Mit fast 60 Jahren noch einmal neu anfangen, war ein Abenteuer“, sagt Heribert Müller SJ. Vor allem im Hochland von Angonien, wo der deutsche Jesuitenpater weit und breit „das einzige Bleichgesicht“ ist. Pater Fernando, wie er in Mosambik genannt wird, stammt aus Rothemann in der Nähe von Fulda und ist vielen Mitgliedern des Vereins persönlich bekannt. Seit 1983 ist er im Jesuitenorden und seit 1987 in Afrika, wo er vor allem in Simbabwe tätig war. Seit 2014 lebt und arbeitet er in Mosambik. In Beira, der Stadt, in der Zyklon Idai im März 2019 wütete, war er von 2015 bis 2017 Pfarrer.

Die Entsendung in die dünn besiedelte Provinz Tsangano ist, so Pater Müller, „etwas ganz Besonderes“. Zwar existiert schon seit über 50 Jahren vor Ort eine Missionsstation, die Jesuiten aber sind erst seit fünf Jahren präsent und haben das Projekt E.S.I.L. (kurz für: Escola Secundária Inácio de Loyola – Ignatius-von-Loyola-Sekundarschule) aus der Taufe gehoben: „Die Regierung war froh darüber“, berichtet Pater Müller. Schließlich gibt es im ganzen Bezirk gerade mal zwei Sekundarschulen: Die Provinz Tete ist auch ein Vierteljahrhundert nach Ende des 15-jährigen Bürgerkriegs nie auf die Beine gekommen und benötigt dringend gut ausgebildete junge Leute.

Eine wunderschöne Landschaft umgibt die neue Schule. Die Gegend – grün soweit das Auge reicht – ist weit weg von Mosambiks Hauptstadt Maputo und den anderen Zentren des Landes. Die Menschen sprechen die lokale Sprache Chichewa, nur gut zehn Prozent beherrschen die Amtssprache Portugiesisch, Analphabetenquote: 80 Prozent. Portugiesisch ist aber die gesetzlich vorgeschriebene Unterrichtssprache. Wer also jung ist und etwas aus seinem Leben machen will, muss diese Sprache sprechen. Ein denkbar guter Platz, es zu lernen, ist die auch von unserem Verein geförderte Schule.

Bibliothek

Ohne Chichewa geht es aber auch für Pater Müller im Alltag nicht: „Was mir am meisten zu schaffen macht ist, dass ich es nur sehr langsam erlerne“, räumt er ein. Die Messe auf Chichewa feiern sei zwar „schon kein Problem mehr“. Im Umgangssprachlichen jedoch komme er über Floskeln noch nicht hinaus. Zeit zum Lernen hat er freilich wenig, selten bleibt mehr als eine Stunde nach dem Frühstück. Nach dem Mittagessen in der Kommunität und einer kurzen Pause ist dann Zeit für Emails und WhatsApp-Nachrichten, „um die Kontakte mit der der weiten Welt zu organisieren“.

 

Besuch im Unterricht

Sich einfach ans Smartphone setzen und Nachrichten versenden, geht nicht. Denn neben der schlechten und unregelmäßigen Stromversorgung durch Generatoren ist die fehlende Internet-Verbindung eines der großen infrastrukturellen Probleme: „Für Empfang muss ich auf einen kleinen Berg klettern“. Viel Zeit für die Welt draußen bleibt aber ohnehin nicht.

Waschtag

Noch wichtiger als Strom und Internet ist jedoch eine zuverlässige Wasserversorgung: Wenn sich jeden Morgen hunderte Schüler, 18 Lehrer und drei Angestellte geduscht haben, gibt die Pumpe nichts mehr her; auch die Abwasserleitungen müssen neu gelegt werden. Notwendig ist auch eine Klinik, die für kranke Schüler und Patienten aus den umliegenden Dörfern sorgen kann.

Die meisten der 644 Schüler, die den hügelumsäumten Campus bevölkern, stammen aus dem direkten Einzugsgebiet der Schule. Sie absolvieren die Jahrgangsstufen 8 bis 12. „Im Internat leben 250 Schüler“, berichtet Pater Heribert; sie sind zu etwa gleichen Teilen im Jungen- und Mädchentrakt untergebracht. 44 Schüler stammen aus der direkten Nachbarschaft und 350 weitere wohnen im so genannten Externat, das heißt in benachbarten Dörfern bei Leuten zur Untermiete. Das ist zwar mit Kosten von sechs Euro pro Schüler und Monat relativ günstig, aber „nicht immer unproblematisch in Sachen Versorgung und Aufsicht“, räumt Pater Heribert ein, der auch gerne neuen Wohnraum für mehr Internatsschüler schaffen würde.

Der Bau der Küche und des Speiseraums für die Schüler des Internats wurde gerade abgeschlossen. Auch den Tagesschülern soll in Zukunft ein Mittagsessen angeboten werden. Landwirtschaft spielt für die Schule eine große Rolle, da 20 ha Land zur Verfügung stehen. Ziel ist es, neben der Selbstversorgung die Schüler und Schülerinnen gleichzeitig für Landwirtschaft zu interessieren und auszubilden.

Feuerstelle der Schulküche

Mittagessen im Speisesaal

Was sich Heribert Müller von seinen Freunden in Deutschland erhofft, ist außer „beten, mitdenken, mithoffen, lieben“ die Unterstützung, um die ausstehenden Projekte zu realisieren: „Hier ist alles noch im Aufbau, und das in einer Gegend, die sehr abgelegen ist und die letzten vier, fünf Jahrzehnte keine Entwicklung gesehen hat. Es gibt so viel, was angepackt werden muss.“

Von unserem Verein wurden Pater Müller bereits 7.000,00 Euro zur Verfügung gestellt. Mit einem guten Teil der Spende wurde eine Maismühle erworben, die an den Generator angeschlossen werden kann. Damit muss der Mais nicht mehr 30 km weit zur Mühle transportiert werden.